Das Pompeji an der Oder: Festungsstadt Kostrzyn im Dornröschenschlaf

Mauern ragen aus dem Gestrüpp. Eine Pflastersteinstraße schlägt eine Schneise durch das Grün, mit Bordsteinen und Gehwegen, alte Schienen ragen hervor. Es geht ein paar Stufen hinauf, hier scheint ein Hauseingang gewesen zu sein. Ein leerer Denkmalsockel. Dort hinten: Der Grundriss, das Kreuz, das muss eine Kirche gewesen sein. Gegenüber: Die Freitreppe zum früheren Schloss hinauf, ein gefliestes Bad ist erkennbar.

Von der alten Festungsstadt Küstrin sind nur noch die Straßen und Fundamente geblieben, einige Stadttore und die mächtigen Bastionen: gleich einem untergegangenen Pompeji. Ein bedrückend beeindruckender Ort. Die Stadt zwischen Warthe und Oder war eine wichtige brandenburgisch-preußische Festung und zwischenzeitlich sogar Hauptstadt der Neumark. Kurz vor dem tragischen Ende hatte die Garnisonstadt 24.000 Einwohner, ein paar Fabriken, Verwaltungen und drei Straßenbahnlinien.

Um 1730 war hier Kronprinz Friedrich II. – später „der Große“ – inhaftiert, nachdem er mit Hans Hermann von Katte nach England fliehen wollte. Vom Kerker in der Bastion Brandenburg musste er zusehen, wie sein Freund hingerichtet wurde. Eigentlich wollte der Vater, Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. seinen Sohn für Flucht und Liebelei auch hinrichten lassen, doch Gerichte wussten das zu unterbinden.

Im Zweiten Weltkrieg war Küstrin strategischer Widerstandspunkt gegen den Vormarsch der Sowjetarmee. Verbissen wurde gekämpft, bis die einst lebendige Stadt in Schutt und Asche lag. Als die Oder-Neiße-Linie zur Staatsgrenze deklariert wurde, versank das Ruinenfeld mit all seinen Sehenswürdigkeiten im Dornröschenschlaf.

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